Von August bis Ende Dezember 2009 verbrachte der JU-Vorsitzende und CSU-Stradtrat Phililpp Ramin im Rahmen eines Studien- und Berufsaufenthaltes fünf Monate in der amerikanischen Hauptstadt Washington, D.C.

Die CSU Neutraubling nahm dies zum Anlass und lud Philipp Ramin am 22. März in Zusammenarbeit mit der Jungen Union Neutraubling zu einem Vortrag ins Hotel am See ein.

 

In seiner Begrüßung der Teilnehmer, unter ihnen auch der Bürgermeister Heinz Kiechle und Ehrenbürger Josef Fendl,  freute sich CSU-Ortsvorsitzender Alfons Raith über das Interesse an der Thematik und erhoffte sich  von dem Vortrag einen Überblick über aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen in den USA. Sein erster Themenschwerpunkt befasste sich mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage in den Vereinigten Staaten. Trotz der großen Probleme durch die Finanzkrise seien die USA nach wie vor die größte Volkswirtschaft der Welt. Die Spuren der Finanzkrise und die Folgen von jahrelang aufgeschobenen Investitionen erkenne man insbesondere in den vielen Großstädten. So sind enorme Gegensätze bei Infrastruktur und Wohnsiedlungen im Straßenbild der USA tief verankert. Oftmals müsse man sich nur umdrehen, um von einem prächtigen Wolkenkratzer auf eine heruntergekommene Nebenstraße zu blicken. Auch der öffentliche Nahverkehr entspräche nicht dem hohen westeuropäischen Standard. Als Beispiel nannte Ramin die New Yorker Metro, die hinsichtlich der Haltepunkte und des Streckennetzes stark heruntergekommen sei. Nichts desto seien die Städte der Ostküste auch heute noch beeindruckend und vielseitig zugleich.

Wirtschaftlich gesehen spielen die USA für Deutschland und auch Deutschland für die USA eine entscheidende Rolle. Durch sein Praktikum beim Delegierten der Deutschen Wirtschaft konnte Ramin besondere Einblicke in die Wirtschaftspolitik erlangen. Deutschland ist hinsichtlich direkter Investitionen fünft wichtigster Partner der USA.  Deutsche Unternehmen stellen außerdem fast eine Million Arbeitsplätze zur Verfügung und sind besonders in den Staaten Michigan, Kalifornien, New York, Pennsylvania und Illinois stark vertreten. Allein deutsche Autobauer beschäftigen mehrere zehntausend Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten.

Aus politischer Sicht ist Washington, D.C. zweifelsohne das Zentrum Amerikas. Neben der US-Regierung sind der oberste Gerichtshof der USA, tausende Interessenverbände, Stiftungen und Lobbyisten sowie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds mit ihren Hauptquartieren in der Stadt vertreten. Dabei war das vergangene Jahr von besonderer Bedeutung. Die Zeit zwischen August und Dezember  sei von Präsident Obamas ersten Regierungshandlungen und den damit verbundenen großen Hoffnungen auf Veränderung geprägt. Erkennbar war jedoch bereits auch ein deutlicher Widerstand gegen Obamas Politik, insbesondere gegen die Gesundheitsreform. Obwohl es dem Präsidenten Ende März 2010 gelang, die Gesundheitsreform zu verabschieden, nahm Ramin das Land als politisch tief gespalten und sehr heterogen wahr. Bei zahlreichen Demonstrationen zeigten tausende Amerikaner ihren Unmut gegen die Reformbemühungen der US-Regierung. Was sich im politischen Amerika zeige, sei auch im gesellschaftlichen Bereich erkennbar. Es gebe nicht das Amerika, sondern vielmehr einen lockeren Staatenbund der ganz unterschiedliche Lebensweisen und Weltanschauungen vereint. Auch in der beruflichen Welt sind Gegensätze allgegenwärtig. So ist fast das gesamte Tätigkeitsspektrum des Nahverkehrs (Busse, U-Bahnen, etc) durch US-Bürger mit afro-amerikanischem Hintergrund geprägt und der gastronomische Servicebereich wird größtenteils von sogenannten Hispanics dominiert. Beeindruckend waren für Ramin vor allem die mit Deutschland größtenteils nicht vergleichbaren hervorragenden Bedingungen an den US-Universitäten. Er selbst studierte an der im Jahr 1893 gegründeten American University, Washington D.C. den Schwerpunkt International Business and Trade. Die auf Initiative des ersten amerikanischen Präsidenten George Washington ins Leben gerufene Universität überzeugte mit kleinen Seminargruppen, modernster Ausstattung, individueller Betreuung durch die Professoren sowie eine hohe Praxisorientierung. Ganz allgemein hätten Unternehmen in den USA einen großen Einfluss auf die höheren Bildungseinrichtungen. Hörsäle und Gebäude werden von Persönlichkeiten der Wirtschaft gestiftet oder in enger Zusammenarbeit getragen. Das in Deutschland von vielen Studenten und Professoren oftmals verteufelte Konzept des finanziellen Einflusses der Wirtschaft verhilft den Studenten in den USA allerdings zu Studienbedingungen, die aus öffentlicher Hand kaum finanzierbar wären. Hinzu kommen herausragende Forschungsbedingungen und eine gutes Netzwerk, welches beim Berufseinstieg sehr hilfreich sein kann.  Doch auch die Mentalität der US-Studenten ist ein wichtiger Bestandteil des Systems. Da sich die Semestergebühren im fünfstelligen Bereich bewegen, sind  Motivation und Identifikation mit den Universitäten unter den Studenten wesentlich  stärker ausgeprägt als an vielen deutschen Hochschulen.

Zusammenfassend sind für Philipp Ramin die USA nach wie vor ein spannendes und vielseitiges Land, das viele Möglichkeiten für die berufliche und persönliche Entwicklung bietet. Gerade als Deutscher ist man geschätzt und stets ein gern gesehener Gast. Vergessen wird häufig, dass auch heute noch ein Großteil der Amerikaner ihren Ursprung in deutschen Vorfahren haben und somit meist einen Bezug vorweisen können, der sie mit Good Old Germany verbindet. Das macht den Alltag in den USA einfacher als in  so manch europäischen Land.